Bundesbauministerium und BBSR auf der bautec 2018

20. bis 23. Februar 2018

Am 20. Februar 2018 eröffnete Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks die internationale Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik ‚bautec‘ in Berlin und besuchte die Messe anschließend auf einem Rundgang.
Das Bundesbauministerium war gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) vom 20. bis zum 23. Februar 2018 mit einem umfangreichen Angebot unter dem Leitthema ‚Digitalisierung im Bauwesen’ auf der bautec 2018 vertreten.
Am Messestand der Forschungsinitiative Zukunft Bau wurden die Zukunftstrends der Baubranche mit innovativen Ergebnissen der Forschungsinitiative Zukunft Bau präsentiert. In der Gesprächsreihe ,Talk am Tresen‘ beleuchteten Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft mit Impulsvorträgen und Gesprächsrunden aktuelle baupolitische Themen.

Digitalisierung im Bauwesen: Evolution oder Revolution des Planens und Bauens

Kongress, 20. Februar 2018

Am 20. Februar 2018 widmeten sich im Palais am Funkturm Referenten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit Vorträgen und Diskussionen dem fundamentalen Wandel der Planungs- und Bauprozesse in den kommenden Jahren durch die voranschreitende Digitalisierung. Über 240 Teilnehmer waren der Einladung zum Kongress gefolgt. Mit Erfahrungsberichten aus der Praxis von Planungsbüros, Einblicken in laufende Pilotprojekte sowie Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung wurden die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für alle an der Wertschöpfungskette Bau Beteiligten aufgezeigt.
Der Kongress wurde von Monika Thomas, Leiterin der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten im Bundesbauministerium, eröffnet. In ihrer Eröffnungsrede führte sie aus, dass die Digitalisierung des Bauwesens zwar ein Herausforderung für die Branche sei, aber vor allem auch eine Chance, mit der zentrale gesellschaftliche Herausforderungen wie Energiewende, Klimaschutz und demografischer Wandel bewältigt werden können. Die bewährten rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen, die für die Qualität und den Erfolg deutscher Baukultur verantwortlich sind, werden als Leitplanken für die Digitalisierung gebraucht, damit die Digitalisierung erfolgreich und gewinnbringend für die gesamte Branche wirken könne. Diesbezüglich betonte sie die Bedeutung der Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der planenden und bauausführenden Büros und Unternehmen, die Wahrung der Interessen von kleinen und mittleren Unternehmen, die offenen Standards und produktneutralen Bauteildaten, als auch die Einhaltung der vergaberechtlichen Grundsätze.
Dr. Robert Kaltenbrunner, stellvertretender Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), führte anschließend in seinem Vortrag aus, dass die Digitalisierung Teil eines vielfältigen Transformationsprozesses sei, der auch das Bauwesen betrifft. Bislang seien entsprechende Technologien und Methoden nur in den seltensten Fällen im Baubereich selbst entstanden, sondern wurden im Regelfall ausanderen Branchen übertragen. Er betonte, dass es bei der Digitalisierung nicht nur um BIM gehen würde, sondern beispielsweise auch um Robotik. Die Möglichkeiten und Potenziale der digitalisierten Bauwerksherstellung scheinen noch nicht erfasst worden zu sein. Eine Vernetzung dezentraler Produktionsstätten untereinander wie auch mit Abnehmern könne eine hohe Spezialisierung der Einzelanbieter mit einer gleichzeitigen robusten Auslastung der Anlagen ermöglichen. Solche Entwicklungen müssen durch Forschung begleitet und, im gesellschaftlichen Interesse, kanalisiert werden. Eine zentrale Voraussetzung dafür sei, dass die Baubranche eine Vision von der eigenen Zukunft entwickelt.
Dr. Alexander Rieck, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, gab einen Ausblick auf die sich ändernden Planungs- und Bauprozesse im Zuge der Digitalisierung des Bauwesens. Er stellt die absehbaren erheblichen Veränderungen aller gesellschaftlichen Bereiche durch die Innovationen digitaler Techniken dar. Diese würde jedoch nicht mit Blick auf die Baubranche entwickelt, gleichwohl diese aber massiv verändern. So sei das Smartphone weder für noch mit Blick auf die Baubranche entwickelt worden, hätte diese aber bereits jetzt massiv verändert.
Im Anschluss widmeten sich Referentinnen und Referenten den einzelnen Teilbereichen der Digitalisierung im Bauwesen. Beleuchtet wurden im Themenbereich Digitale Fertigung unter anderem die Chancen und Lösungsansätze der Robotik, Automation und Vorfertigung zur Bewältigung von Herausforderungen wie z. B. Wohnungsengpässe in Ballungsregionen, bezahlbares Bauen und Wohnen, Baumängel, Bauverzögerungen, Baukostenüberschreitungen und Fachkräftemangel. Prof. Dr.-Ing. Thomas Bock zeigte internationale Beispiele für den Robotereinsatz in der Vorfertigung, vor Ort, im Gebäudebetrieb und dem nachhaltigen Um- und Rückbau. Außerdem erläuterte Prof. Achim Menges anhand von zwei Pilotprojekten, dass durch einen systematischen, ganzheitlichen und integrativen computerbasierten Ansatz die methodischen Grundlagen für eine umfassende Modernisierung des Bauwesens gelegt werden können.
Als Schwerpunkt im Themenbereich Digitales Planen behandelten die Referentinnen und Referenten die Implementierung der Methode des Building Information Modeling (BIM) in Planungs- und Bauprozesse als auch deren konkreter Mehrwert für Planungsbüros. Ajna Nickau, DhochN Digital Engineering GmbH, betonte die vielfältigen Möglichkeiten von BIM. Auch Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland- Pfalz unterstrich, dass die BIM-Planungsmethode eine der größten Chancen der Baubranche darstelle. Matthias Reif berichtete anhand von konkreten Beispielen aus dem öffentlichen Hochbau über seine Erfahrungen. „BIM einfach machen“ ist sein Fazit. Andreas Thun, Vorsitzender der GF Berliner Luft Technik GmbH skizzierte die Herausforderungen von BIM aus Sicht eines Herstellers von TGA-Produkten. Digitale Modelle zur Zusammenarbeit von Planern, Herstellern und Ausführenden stellte Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Huhnt, TU-Berlin vor. Übereinstimmend wurde festgestellt, dass sich weder planende Berufe noch ausführende Firmen und ebensowenig Produkthersteller und Bauherren dem digitalen Wandel im Bauwesen entziehen können. Dies griff die abschließende Podiumsdiskussion auf. Die Teilnehmer betonten, dass die Technik zwar vermeintlich im Vordergrund stehe, es aber vielmehr um sich ändernde Prozesse und vor allem um die Zusammenarbeit der am Bau Beteiligten gehe. Für eine erfolgreiche Digitalisierung sei es entscheidend, wie sie implementiert würde. Es müssen praxisorientierte Methoden und Prozesse implementiert werden, bei der alle mitgenommen werden.

Effizienzhaus Plus: Was heißt klimaneutral Bauen im Effizienzhaus Plus Standard?

Fachsymposium, 21. Februar 2018

Über 250 Teilnehmer hatten sich am 21. Februar 2018 zum 13. Netzwerktreffen der Initiative Effizienzhaus Plus im Rahmen der bautec 2018 im Palais am Funkturm in Berlin angemeldet. Monika Thomas, Leiterin der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten im BMUB, eröffnete das Fachsymposium, das dieses Mal unter dem Titel „Was heißt klimaneutral Bauen“ stand.
Sie wies in Ihrer Rede auf das Spannungsfeld hin, das sich aus dem ausgehandelten Koalitionsvertrag ergibt, nämlich einerseits die bestehenden energetischen Anforderungen aus der Perspektive des bezahlbaren Wohnens nicht zu verschärfen, gleichzeitig aber zeitnah die Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie mit der Einführung des Niedrigstenergiehausniveaus (NZEB) zu realisieren und die Einhaltung des Klimaschutzabkommens mittels einer signifikanten Reduzierung der Treibhausgasemissionen aus dem Gebäudesektor in der folgenden Legislaturperiode zu realisieren.
Hierzu werden im Gebäudebereich in den nächsten Jahren vermehrt praxistaugliche, bezahlbare Lösungen für das klimagerechte Bauen gesucht. Frau Thomas verwies auf die vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) im Rahmen der Begleitforschung angefertigte Studie zum CO2- Minderungspotential durch Effizienzhaus Plus Bauten. Bei einer Marktdurchdringung von 15 % bei Neubauten und sanierten Bestandsgebäuden lassen sich bis 2050 zusätzlich jährlich 14 Mio. Tonnen CO2 gegenüber dem heutigem EnEV Standard einsparen. Dies sind rund 33 % des Klimaschutzplans der Bundesregierung. Die Initiative Effizienzhaus Plus bildet daher auch weiterhin mit das Fundament der Klimaschutzinitiativen.
Weitere Informationen unter: www.forschungsinitiative.de/effizienzhaus-plus/modellvorhaben/workshops/

Innovative Wohnkonzepte: Die Modellvorhaben der Variowohnungen

Fachsymposium, 23. Februar 2018

Das BMUB fördert im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau deutschlandweit die Erprobung und Erforschung zukunftsweisender Wohnkonzepte für Studierende und Auszubildende. Die Modellvorhaben zum nachhaltigen und bezahlbaren Bau von Variowohnungen entstehen in zehn Bundesländern und werden Wohnraum für rund 2.600 junge Menschen in Neubauten und durch Umbaumaßnahmen schaffen. Die Variowohnungen sollen schnell und mit möglichst geringen Kosten bei gleichzeitig anspruchsvoller Architektur und Raumgestaltung realisiert werden. Die Warmmiete für einen unmöblierten Wohnplatz darf zum Zeitpunkt der Bewilligung der Modellvorhaben 280 Euro nicht überschreiten, in besonders nachgefragten Städten 300 Euro.
Am 23. Februar 2018 fand im Rahmen der Baufachmesse bautec 2018 im Marschall-Haus ein öffentliches Fachsymposium „Innovative Wohnkonzepte- die Modellvorhaben Variowohnungen“ statt. Rund 200 Teilnehmer wurden durch die Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks und Herrn Dr. Robert Kaltenbrunner im Namen des BMUB und des BBSR begrüßt.
Im ersten Teil der Veranstaltung wurden alle 20 Modellvorhaben mit einer kurzen Präsentation vorgestellt. Frau Dr. Hendricks nutzte die Veranstaltung, um den Projektteilnehmern des Förderprogramms Variowohnungen für Ihr Engagement zu danken und zeichnete alle Zuwendungsempfänger mit einer Förderurkunde aus.
Hendricks betonte: "Wir brauchen mehr Wohnungen, die flexibel nutzbar sind und deren Warmmiete auch mit geringen Einkommen bezahlt werden kann. Wir denken dabei langfristig. Wir brauchen jetzt viele kleinere Wohneinheiten für junge Leute in der Ausbildungsphase, in zehn Jahren brauchen wir wahrscheinlich mehr Wohnungen für Senioren. In unserem Förderprogramm kombinieren wir beides."
Im Anschluss an die Projektvorstellungen präsentierte das Team der Begleitforschung (sol.id.ar Planungswerkstatt zusammen mit der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) den Status der Datenerfassung und den Zwischenstand der Querschnittsanalyse der Modellvorhaben. Bei einem Mittagsimbiss auf dem Marktplatz der Projekte bestand die Möglichkeit, die bundesweit 20 Modellprojekte näher kennenzulernen, mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen und sich über die Projektschwerpunkte zu informieren. Es fand ein reger Austausch zwischen Fachöffentlichkeit und Vertretern der Modellvorhaben sowie den Forschern statt.
Im zweiten Teil der Veranstaltung berichteten Herr Prof. Matthias Sauerbruch vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton und Herr Achim Nagel von PRIMUS developments am Beispiel ihres preisgekrönten Projekts „Woodie“ in Hamburg über den modularen und nachhaltigen Bau eines Wohnhauses für Studierende in Holzbauweise.
In einer abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Frau Helga Kühnhenrich (BBSR) und Herrn Dr. Günther Löhnert (Sol.id.ar Planungswerkstatt), wurden die Ziele und Besonderheiten des Programms mit Vertretern des Zuwendungsmittelgebers (Frau Monika Thomas, BMUB), der Zuwendungsempfänger (Michael Eisfeld, Eisfeld Ingenieure AG und Sieghard Lückehe, STÄWOG, Bremerhaven) der wissenschaftlichen Projektbegleitung (Bernd Landgraf, Steinbeis Hochschule) und den Vertretern des Projektes „Woodie“ reflektiert. Schwerpunkte der Diskussion bildeten die städtebaulichen, architektonischen, baulichen und technischen Innovationen und Herausforderungen der Modellvorhaben Variowohnen.
In unterschiedlichen Austauschformaten werden die Erfahrungen der Projekte bis Ende 2019 zusammengetragen und ausgewertet. Als Ergebnis wird nach Abschluss der Projekte bis zum Jahr 2020 ein Handlungsleitfaden erstellt, der Interessenten frei zur Verfügung gestellt werden kann.
Weitere Informationen unter: www.forschungsinitiative.de/variowohnungen/

Talk am Tresen

Vortragsreihe, 21. bis 23. Februar 2018

Gemeinsam Planen! Architekten und Ingenieure Technische Ausrüstung auf dem Weg zu einer neuen Planungskultur
Die Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren steht angesichts der immer größer werdenden Komplexität heutiger Gebäude vor neuen Herausforderungen. Im Rahmen der Fachmesse bautec 2018 präsentierten Bundesarchitektenkammer (BAK) und Bundesingenieurkammer (BIngK) am 21.02.2018 das Leitbild „Gemeinsam planen! Architekten und Ingenieure Technische Ausrüstung auf dem Weg in eine neue Planungskultur“ am Messestand der Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundesbauministeriums.
Wie wichtig die Förderung des Dialogs der am Bau beteiligten Planerinnen und Planer ist, machte auch Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesbauministerium deutlich: „Ohne eine effektive Kommunikation zwischen allen Beteiligten können Projekte nicht erfolgreich umgesetzt werden. Auf die Arbeit von Architekten und Ingenieuren trifft dieser Grundsatz besonders zu. Die Digitalisierung und ähnliche Entwicklungen verstärken die Notwendigkeit der Zusammenarbeit noch. Das gemeinsame Leitbild für eine neue Planungskultur ist deshalb sehr zu begrüßen.“
Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer hob hervor, dass es durch den Leitbildprozess gelungen sei, die Kommunikation zwischen Architekten und Ingenieuren zu verbessern. Bereits in der Ausbildung sollten Architekten und Ingenieure ein gemeinsames Verständnis entwickeln, so Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bundesingenieurkammer.
An die Präsentation schloss ein Fachgespräch von Monika Thomas, Leiterin der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten im BMUB, mit Prof. Anna Zülch, Vorstandsmitglied der Hamburgischen Architektenkammer, und Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, an. Frau Prof. Zülch betonte, dass der Planungsprozess moderiert werden müsse: „Alle Akteure müssen frühzeitig an einen Tisch.“ Die Ausbildung sollte an diesem Punkt verbessert werden, damit die Architekten in die Lage versetzt werden, den gesamten Planungsprozess besser zu überblicken. In der Digitalisierung und der vermehrten Anwendung von Building Informationen Modeling (BIM) lägen große Chancen für eine gemeinsame Planungskultur, so Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz.
Weitere Informationen unter: www.gemeinsam-planen.de
Alternative Gebäudekonzepte: Lowtech – Hightech
Nachhaltig Bauen heißt interdisziplinär und integral unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu planen. Im Fachgespräch wurden in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten und Grenzen von Lowtech- und Hightech-Ansätzen diskutiert.
In seinem Impulsvortrag skizzierte Jürgen Veit von der Öko-Zentrum NRW GmbH Ansätze zur Definition von Lowtech. Lowtech bilde nicht den Gegensatz zu Hightech. Vielmehr beschreiben die Begriffe Einfachheit und Robustheit hinsichtlich Herstellung, Bedienung und Wartung den Lowtech-Ansatz. Der Baukörper in Form, Funktion und Materialität rückt dabei stärker in den Vordergrund.
In der anschließenden Diskussion, moderiert von Nicolas Kerz, BBSR, regte Prof. Dr. Andrea Pelzeter, HWR Berlin an, auch die Kosten im Blick zu haben: „Man muss sich fragen, was ist billiger? Dabei ist jedes anlagentechnische Bauteil, welches nicht eingebaut werde, ein Beitrag zur Kosteneinsparung.“ Ein möglicher Funktionsverlust müsse diskutiert werden. So sei der heutige Standard mit Lowtech nur schwer und auch nicht in jeder Baumaßnahme gleichermaßen zu erreichen. Es sollten daher auch Überlegungen in die Planungen eingehen, ob und wenn ja auf welche Standards verzichtet werden könne.
Prof. Eike Roswag-Klinge, TU-Berlin, stellte heraus, dass sich die Anforderungen auch in gestalterischer Hinsicht an das Gebäude ändern müssen, wenn Lowtech-Ansätze zum Einsatz kommen sollen: weniger Glasfassaden und eine stärkere Berücksichtigung von natürlichen Baustoffen. Er regte an, dass das was weggelassen werden könne, auch weggelassen werde sollte. Baukörper sollten wo möglich wieder Funktionen übernehmen, die derzeit durch technische Anlagen kompensiert werden.
Maria-Elisabeth Endres, Ingenieurbüro Hausladen GmbH, betonte, Lowtech müsse nicht zwingend technikfrei sein. Es gehe auch um Robustheit der Anlagentechnik, die eine lange Lebensdauer und eine geringe Wartungsintensität nach sich ziehe. Durch die technischen Weiterentwicklungen und einen klugen Technikmix könne auf Teile verzichtet werden. Diesen Einsparungen stehe jedoch die Honorarordnung entgegen, da diese keine Anreize biete, Technik einzusparen. Auch Jürgen Veit hob hervor, dass das Konzept der Honorarordnung nicht zielführend sei, um Lowtech-Konzepte umzusetzen.
Bei allen Projektenansätzen sei eine ganzheitliche Betrachtung der Planungsaufgabe wichtig, so die Expertinnen und Experten. Nur durch ein einheitliches Bewertungsgerüst, können die verschiedenen Technikansätze miteinander verglichen und gute Ansätze identifiziert werden.
Die Modellvorhaben Effizienzhaus Plus: Vom Einfamilienhaus bis zum Universitätsgebäude
Effizienzhäuser Plus bieten einen Ansatz für das klimaneutrale Bauen: Es handelt sich um Gebäude, die in ihrer Jahresbilanz mehr Energie generieren als für deren Betrieb und Nutzung benötigt wird. Seit 2011 wird dieser Gebäudetyp durch das Bundesbauministerium mittels Forschung und Entwicklung gefördert. In der Diskussionsrunde, moderiert von Hans Erhorn, Fraunhofer IBP, widmeten sich unterschiedliche Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis den verschiedenen Facetten, die der Effizienzhaus Plus-Ansatz bietet.
Den hohen Stellenwert des Energieeffizienzhauses Plus im Hinblick auf die klimapolitischen Zielsetzungen hob Peter Rathert, BMUB hervor. Die CO2-Einsparpotenziale seien groß, weshalb der Effizienzhäuser Plus-Ansatz auch in der kommenden Legislatur weiter unterstützt werden sollte.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung der Initiative Effizienzhaus Plus werden durch das Fraunhofer Institut Trends, Kennwerte und Erfahrungen aller durch das Bundesbauministerium geförderter Modellvorhaben analysiert. Antje Bergmann, Fraunhofer IBP, stellte die Modellvorhaben sowie erste Ergebnisse vor. So zeige die bisherige Analyse der 37 Modellvorhaben im Wohnungsbau, dass 77 % der Gebäude bereits mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen.
Jörg Welke, emo Berlin, berichtete über seine Erfahrungen als Bewohner des Energieeffizienzhauses Plus in Berlin-Charlottenburg. Das Wohnen im Effizienzhaus Plus sei erstaunlich normal und dabei mit einem hohen Maß an Komfort verbunden. Die Bedienung der Haustechnik sei einfach. Jörg Welke betonte, dass energieeffizientes Wohnen gutes Wohnen sei und keinerlei Einschränkungen beinhalte.
Auch in der Ausbildung müsse verstärkt das Thema Energieeffizienz vermittelt werden, so Prof. Ingo Lütkemeyer, Hochschule Bremen und IBUS Architektengesellschaft. Er erläuterte, dass die Studierenden bereits sehr früh in ihrer Ausbildung mit dem Thema Energieeffizienz in Kontakt kommen. Er berichtete außerdem über die Energieeffizienz-Schule in Hohen Neuendorf, die in der Praxis zeige, dass nicht nur Einfamilienhäuser als Effizienzhaus Plus gebaut werden können. Wichtig sei bei öffentlichen Bauten, dass der Bauherr explizit Energieeffizienzziele verfolge.
Aus der Baupraxis berichtete Marco Jungnickel, SHK Innung Berlin. Es bedürfe umfangreicher Informationen und Weiterbildungen, damit die Neuerungen in der Energieeffizienz in der Praxis umgesetzt werden können. Hier brauche es mehr Unterstützung durch die öffentliche Hand, denn die Informationsbeschaffung stelle insbesondere kleine und mittelständische Betriebe vor Herausforderungen.
Weitere Informationen zur Forschungsinitiative: www.forschungsinitiative.de/effizienzhaus-plus/modellvorhaben/
Ausbildung – Ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Digitalisierung im Bauwesen
Eine kooperative Zusammenarbeit aller Beteiligten ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung im Bauwesen. Im Planungsprozess muss die Methodik der kooperativen Zusammenarbeit von Beginn an angewandt werden. Einen wichtigen Beitrag hierzu liefert die akademische Ausbildung. Über den aktuellen Stand der Umsetzung an den Hochschulen und in der Praxis diskutierte ein interdisziplinär aufgestellter Expertenkreis. Damit knüpfte die Veranstaltung an die Vorstellung des Leitbildes „Gemeinsam Planen“ an, das von Architekten und Ingenieuren erarbeitet wurde.
In kurzen Impulsvorträgen beleuchteten zunächst Vertreter der Architektenkammer, einer Hochschule sowie eines Planungsbüros das Thema. In der anschließenden Gesprächsrunde, moderiert von Lothar Fehn Krestas, Leiter der Unterabteilung Bauwesen und Bauwirtschaft im Bundesbauministerium, betonte Dr. Ralf Ruhnau, Präsident der Baukammer Berlin, dass ein interdisziplinäres Team aus Architekten, Tragwerksplanern und Haustechnikern bereits zu Beginn eines Planungsprozesses stehen müsse. Building Informationen Modeling (BIM) sei ein geeignetes Instrument, um die Zusammenarbeit zu koordinieren. Dr. Holger Krühne, Partner im Ingenieurbüro Building Applikation Ingenieure, sieht als Anwender von BIM die Vorteile der Planung mit BIM. So würden nicht nur Umplanungen und Zeitverzögerungen stark reduziert, sondern auch das gegenseitige Verständnis geschult. Prof. Eike Roswag-Klinge, Technische Universität Berlin, sieht in integrierten Teams von Anfang an die einzige Lösung, um zukunftsfähige Projekte zu planen. „Es wird künftig nur im breiten Diskurs und einer großen Offenheit gehen“, betonte Roswag-Klinge. Michael Johl, BIM-Manager im Architekturbüro Hascher Jehle Architektur, sieht bei der Arbeit an einem gemeinsamen Modell jedoch die Planungsfreiheit und Kreativität der Architekten in Gefahr. „In der Praxis ist es so, dass jeder in seinem Fachmodell arbeitet und die Modelle dann koordiniert werden. BIM bietet hierfür ein Austauschformat“, so Johl. Diese Freiheit müsse insbesondere für die Lehre gelten: „Die Studierenden müssen frei im Kopf sein.“
Die Digitalisierung im Bauwesen könne aber nur dann erfolgreich sein, wenn die Disziplinen zu einer gemeinsamen Sprache fänden, meint Daniel Sprenger, Vizepräsident der Architektenkammer Berlin. Hier bestehe aktuell Handlungsbedarf. Diese Einschätzung trifft im Expertenkreis auf breite Zustimmung. Dr. Ralf Ruhnau ergänzt, dass neben einem einheitlichen Vokabular das gegenseitige Verständnis sowie die Vermittlung von Ideen von großer Bedeutung seien. „Nicht nur die Architekten, sondern auch die Ingenieure sollten bereits an der Hochschule lernen, wie sie ihre Ideen überzeugend vertreten“, so Ruhnau.
Mit BIM kann bereits in der Ausbildung das gegenseitige Verständnis gefördert und Kommunikations- und Abstimmungsprozesse erleichtert werden. Prof. Eike Roswag- Klinge erprobt an der TU Berlin die Zusammenarbeit im Team im so genannten Natural Building Lab. Studierende sollen zu einem dialogischen Arbeiten in interdisziplinären Teams befähigt werden. Die Arbeit erfolgt im Rahmen von Werkstätten, in denen gemeinsam experimentiert und produziert wird. An den Universitäten gehe es mehr um die Vermittlung von grundsätzlichen Funktionsweisen als darum, Arbeit mit den neuesten Programmen zu schulen, ergänzt Daniel Sprenger.
Insgesamt sei der Wille zur stärkeren Einbindung von BIM in die Lehre zwar da, so Prof. Dr. Jens Liebchen, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, doch es fehle eine treibende Kraft. Er wünscht sich insbesondere von den Kammern stärkere Impulse und eine transparentere Darstellung der Anforderungen aus der Praxis an die Lehre. Dr. Ralf Ruhnau forderte ausschreibende Stellen auf, BIM-Erfahrung in einem gewissen Maß zu fordern. Es sei an der Zeit, „einen sanften Zwang“ auszuüben. Im Rahmen von Ausschreibungen wird künftig systematisch geprüft, welche Projekte BIM-geeignet seien und ein Mehrwert zu erwarten sei, sagte Lothar Fehn Krestas. Zudem soll es keine Vorgaben im Hinblick auf eine bestimmte Software geben. „Es gilt die Anforderung Open BIM“, betonte Lothar Fehn Krestas.
eLCA, Schnittstelle für den digitalen Workflow – Synergien nutzen, graue Energie berechnen
Für die Erstellung der Ökobilanz eines Gebäudes müssen nicht nur die Bedarfswerte der Nutzungsphase berücksichtigt werden, sondern auch die benötigten Stoff- und Energieströme der Herstellungs-, Errichtungs-, Nutzungs- und Entsorgungsphase im Sinne einer Lebenszyklusbetrachtung. Im Rahmen der Veranstaltung wurde das vom BBSR kostenlos angebotene Online-Ökobilanzierungswerkzeug eLCA (www.bauteileditor.de) vorgestellt und diskutiert. Mit dem elektronischen Life Cycle Assessment Werkzeug eLCA lassen sich die Umweltwirkungen von Gebäuden einfach, schnell und unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus bestimmen und bewerten.
Herr Stephan Rössig, Projektleiter eLCA im BBSR, erläuterte, dass im eLCA ein umfassender Vorlagenkatalog für Bauteile der Kostengruppen 300 und 400 bereitsteht. Diese können individuell auf das jeweilige Gebäude angepasst werden. Neben den daraus hervorgehenden bauteilbezogenen Kennwerten werden zur Bestimmung der Ökobilanz eines Gebäudes die Mengen- und Massedaten der Gebäude benötigt. Mit der neuen Schnittstelle EnEV2eLCA wird der Aufwand zur Ermittlung der Mengen- und Massedaten nun deutlich reduziert, da hiermit die Daten der EnEV-Berechnung direkt für die Ökobilanzierung weiterverwendet werden können.
Lothar Fehn Krestas, Leiter der Unterabteilung Bauwesen und Bauwirtschaft (BMUB) diskutierte im Gespräch mit verschiedenen Expertinnen und Experten die verschiedenen Facetten von eLCA. Prof. Dr.-Ing. Martin Behne, Beuth Hochschule Berlin, begrüßte, dass nun eine ausführliche Datenbasis zur Erstellung von Ökobilanzen vorliegt. Auch die Studierenden lernen in der Ausbildung bereits Ökobilanzen unter Einbeziehung der grauen Energie zu erstellen. Es zeige sich, dass bei den Studierenden der Wunsch bestehe, im Sinne der Nachhaltigkeit mehr als nur ein schönes Gebäude zu bauen. Insgesamt sei aber das Bewusstsein für Gesamtbilanzierung eines Gebäudes noch nicht sehr weit verbreitet. Hier bestehe Aufklärungsbedarf.
Auch Prof. Dr.-Ing. Natalie Essig, BiRN Hochschule München erklärte, dass eLCA im Vergleich zur Situation vor 5 Jahren, als die Ökobilanzen noch mittels Excel-Tabellen errechnet wurden, ein echter Gewinn sei. Problematisch sei jedoch, dass gerade private Bauherren andere Prioritäten beim Bauen haben. Der Nachhaltigkeitsgedanke und auch das Thema „Graue Energie“ müsse sich erst noch weiterverbreiten.
Die Daten sind da, aber der Workflow müsse noch besser gestaltet werden, so Dr.-Ing. Ingrid Vogler, GdW. Es bedarf funktionsfähiger Schnittstellen zu den Softwareprogrammen der Architekten, um Daten zu den verwendeten Bauteilmassen übernehmen zu können. Die Schnittstelle von eLCA zur EnEV-Berechnung sei ein guter Anfang. Die Weiterentwicklung hin zu einem echten BIM sei für die Wohnungswirtschaft spannend, so Ingrid Vogler. Wenn umfassende Daten zu den Gebäuden in stets aktueller Form vorliegen, können diese in die spätere Bewirtschaftung übernommen und für die Bestandhaltung genutzt werden.
Die öffentliche Hand sollte beim Thema Ökobilanzierung und der Weiterentwicklung von BIM weiterhin in Vorleistung gehen, so Sebastian von Oppen, Architektenkammer Berlin. Dies sei insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen wichtig.
Weitere Informationen unter: www.bauteileditor.de
Energieaufwand im Lebenszyklus – Einbeziehung der Grauen Energie
Am 23. Februar 2018 fand auf der internationalen Baufachmesse „bautec 2018“ in Berlin ein Expertengespräch unter dem Titel „Talk am Tresen“ am Messestand der Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ des Bundesbauministeriums statt.
Im Rahmen der von Herrn Merten Welsch vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung moderierten 30-minütigen Diskussion erörterten Prof. Dr.-Ing. habil. Thomas Lützkendorf vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Prof. Ing. Alexander Rudolphi, Präsident der DGNB e.V. und Dr.-Ing. Boris Mahler vom Steinbeis Transfer Zentrum in Stuttgart die Möglichkeiten zur Berücksichtigung der grauen Energie und der daraus resultierenden Umweltwirkungen im Lebenszyklus von Wohngebäuden.
Einleitend stellte Herr Dr. Mahler einzelne Erkenntnisse aus seiner aktuellen Studie für das Umweltbundesamt vor. Nach einer kurzen Begriffsbestimmung erläuterte er die zunehmende Bedeutung der materialgebundenen CO2-Äquivalente und nannte eine Reihe von Empfehlungen, um die Klimaziele der Bundesregierung erreichen zu können. So solle bspw. der Nutzerstrom bei der Energiebilanzierung mitberücksichtigt werden und als Bewertungsgröße solle auf CO2-Äquivalente abgestellt werden, da die bisherige Orientierung an Gebäudeenergiestandards basierend auf dem Primärenergiebedarf kein Garant für klimaschutzrelevante Effekte sei.
In der anschließenden Diskussion betonte Herr Prof. Lützkendorf, dass die vollständige Ökobilanzierung eines Gebäudes im Lebenszyklus bereits seit rund 10 Jahren in Deutschland mit den Systemen BNB und DGNB erfolgreich in Gebäudeplanungen umgesetzt werde und dass entsprechende Daten und Instrumente wie die Ökobaudat oder das Berechnungstool eLCA unter www.nachhaltigesbauen.de vom Bundesbauministerium öffentlich bereitgestellt würden. Alle Diskussionsteilnehmer sowie einzelne Zuhörer vertraten die Auffassung, dass eine Inbezugnahme der CO2-Bilanz im Lebenszyklus erforderlich und umsetzbar sei, bspw. im Rahmen der KfWFörderprogramme. Zusätzlich sei es dringend geboten, Konzepte zu entwickeln, die als Bezugsgröße die Nutzeranzahl mitbetrachteten, da die Einspareffekte durch die Verbesserung der Energieeffizienz durch die kontinuierliche Zunahme der beanspruchten Nutzfläche pro Person zunichte gemacht würden. Als Orientierung könne das schweizerische Modell der „2000-Watt-Gesellschaft“ dienen. Abschließend wurde ein Appell an die Politik bzw. die Gesetzgeber gerichtet, zeitnah konkrete Vorgaben zu formulieren und keine Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.
Weitere Informationen unter: www.nachhaltigesbauen.de
www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Bauwesen/BaustoffeBaukonstruktion/oekobilanzierung/oekobilanzierung-node.html

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